Krefelder Schiedsmänner und -frauen beim Linner Nachtwächter

Eigentlich hatten die Krefelder Schiedsmänner und -frau sich auf einen gemütlichen Abend eingerichtet, zu dem sie die Stadt Krefeld in das vorweihnachtliche Linn eingeladen hatte. Die dabei angebotene Nachtwächterführung entpuppte sich dann aber als anstrengende „Fortbildung“: So sperrte der Nachtwächter gleich einen Schiedsmann in seinen „Reisepranger“ und die eine Ehefrau in die neue, von Thomas Bömer gefertigte „Halsgeige“. „ Ich glaube, damit könnten Schiedsverfahren deutlich verkürzt werden, wenn die Kontrahenten sich im Pranger gegenüber stehen oder die Halsgeige umgelegt bekommen, „ schmunzelte Beurskens. Er ist bereit, den Schiedsmännern und der -frau die Gerätschaften im Bedarfsfall leihweise zur Verfügung zu stellen.

Beim Rundgang, den ein Schiedsmann als Hilfsnachtwächter begleiten musste, erfuhren sie noch mehr über mittelalterliche Strafen und Gerichtsverfahren. „ Denn nur in Linn gab es für den gesamten Bereich von Uerdingen bis Düsseldorf-Lörick und Willich das sogenannte Halsgericht, das auch Todesstrafen verhängen konnte,“ betonte Beurskens. Zur berüchtigten Halsgeige, die Hobbyschreiner Thomas Bömer aus Neuss nach einer Vorlage aus dem Deutschen Kriminalmuseum fertigte, erläuterte er, dass damit Frauen, die gegenüber ihren Männern widerspenstig waren, gefügig gemacht wurden. Da dies auch heute noch gelegentlich vorkommen soll, sieht er hier schmunzelnd Einsatzmöglichkeiten für seine künftigen Rundgänge und die Schiedsverfahren. „Auf das ebenfalls übliche Dachabdecken werden wir aber wohl verzichten,“ meint er weiter. Thomas Bömer will ihm auch noch die früher ebenfalls häufig verwendete Halskrause fertigen.“ Dann habe ich ein nettes Repertoire an Strafinstrumenten für meine Führungen,“ freut sich Beurskens. Beide Instrumente gehörten früher wie der Pranger zu den sogenannten „Ehrenstrafen“. Thomas Bömer will er demnächst den Titel „Hoflieferant des Linner Nachtwächters“ verleihen. Seine Führungen sind ohnehin wegen der Beteiligung vieler Linner deutschlandweit einmalig und damit noch attraktiver. Da wieder viele neue Geschichten dazu gekommen sind, empfiehlt sich auch eine wiederholte Teilnahme.“ Ich habe jetzt Geschichten für fast fünf Stunden, so dass jede Führung ohnehin anders ist“, erläutert er weiter.

„ Leider können wir keine Anmeldungen für den Kinderrundgang am 27. Dezember mehr annehmen, da sich schon über sechzig Personen Karten geholt haben,“ bedauert Heinz-Peter Beurskens. Gleichzeitig freut es ihn aber, dass der Kindergarten St. Heinrich in Uerdingen so mit einer ansehnlichen Spende rechnen kann.
„Entweder warten die Eltern/Großeltern mit ihren Kleinen bis zum nächsten Rundgang nach Weihnachten im nächsten Jahr oder sie kommen mit ihnen zum normalen Rundgang in den Weihnachtsferien,“ meint er.

Die Karten für die Rundgänge in den Weihnachtsferien und die übrigen Mittwochsrundgänge bis April sind nur im Vorverkauf im Em Kontörke in Krefeld-Linn , Margaretenstr. 40 von mittwochs bis samstags ab 17 Uhr, sonntags ab 11 Uhr (Telefon 540064 ) erhältlich. Karten kosten 17 € inklusiv Eintopfessen, wobei für Kinder auch chicken McNuggets angeboten werden. Wegen der großen Nachfrage empfiehlt es sich, die Karten schnell zu bestellen. Das Nachtwächterentgelt aus diesen Führungen geht an das Museum in Linn.

Auch werden wieder die beliebten „de-luxe“-Führungen an einigen Donners-tagen im Januar und März im Restaurant Op de Trapp mit 3-Gänge-Menu angeboten. Diese besonderen Veranstaltungen gibt es am 26.Januar, 16., 23. und 30. März. Auch diese Führungen beginnen um 18 Uhr mit einem Vorspiel, danach gibt es Vor- und Hauptspeise. Nach dem rund zweistündigen Rundgang wird bei einem kleinen Nachspiel dann der Nachtisch gereicht. Diese Karten gibt es nur im Restaurant Op de Trapp, Rheinbabenstr. 109 , mittwochs bis samstags ab 18 Uhr, sonntags ab 12 Uhr. Das Nachtwächter-Entgelt dieser besonderen Führungen geht an den Kindergarten St.Heinrich in Uerdingen.

In Zusammenarbeit mit den Restaurants in Linn sind für größere Gruppen auch Sonderführungen nach Absprache mit ihm und dem Restaurant möglich. Dabei wird das Essen gesondert berechnet und für die Führung ein Pauschalbetrag als Spende für den Kindergarten St. Heinrich erhoben.
Auf dem Foto sperrte Hilfsnachtwächterin Monika Cleven Schiedsmann Kröske (Stadtmitte) in den Pranger und Frau Weiß in die neue Halsgeige.

Linner Plan der Stadt Krefeld

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